Applikationen für die Generation 55plus: Entwicklung adaptiver Mensch-Maschine-Schnittstellen

Aus IAO-Wiki

Ausgangssituation

Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor zahlreiche neue Herausforderungen. Eine davon ist ein befürchteter Zuwachs an Versorgungs-, Betreuungs- und Pflegekosten, da ein immer höherer Anteil der Bevölkerung Europas zu den über 65-Jährigen zählen wird. Daher ist das Ziel, einer möglichst großen Gruppe älterer Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, nicht nur eine gesellschaftliche Gewissensfrage, sondern auch ein finanzpolitisch notwendiges Anliegen.

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) bieten hier bereits hervorragende Möglichkeiten, um die Abhängigkeit älterer Menschen von fremder Hilfe zu reduzieren und eine gesunde, ausgeglichene Lebensführung zu unterstützen. Die Schwierigkeit besteht darin, Menschen der Generation 55+ den Zugang zu diesen Technologien zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.

Zielsetzung

An dieser Stelle setzt das von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt »OASIS« an. Ausgeschrieben bedeutet das Projektakronym »Open Architecture for accessible Services Integration and Standardisation«. In diesem Projekt wird die Systemarchitektur für eine Plattform entwickelt, die es ermöglicht, neuartige Webservices und Applikationen zu bündeln und über eine einheitliche und gebrauchstaugliche Benutzeroberfläche auf diversen Endgeräten – vom einfachen Mobiltelefon bis zum Computer – zur Verfügung zu stellen. Die Möglichkeiten solcher Webservices und Applikationen sind vielseitig: Sie können z.B. individualisierte Ernährungstipps geben und Fitnesspläne erstellen oder sie können bei der Überwachung des eigenen Gesundheitszustands helfen und Notruffunktionen unterstützen. Ebenso können Sie ganz alltägliche Technologien wie Routenplanung und Navigation speziell für die Bedürfnisse älterer Benutzer bereitstellen – z.B. indem der Fahrer durch besonders verkehrsarme Straßen geführt wird, die ihn nicht überfordern. Über die ontologiebasierte OASIS-Plattform soll es nicht nur möglich sein, diese und weitere Funktionen über ein und dieselbe Schnittstelle anzubieten, die Webservices sollen auch Informationen untereinander austauschen können. So könnte z.B. der Webservice, welcher den Ernährungsplan erstellt, auf Informationen eines anderen Webservices zugreifen, der die Fitnessaktivitäten vorschlägt. Die empfohlene Kalorienmenge kann also optimal berechnet werden.

OASIS konzentriert sich auf vier Hauptbereiche, in welchen Services entwickelt werden: Neben der bereits erwähnten unabhängigen Lebensführung sollen auch die Mobilität und die Erhaltung von sozialen Kontakten unterstützt sowie ein gemäß der eigenen Wünsche optimales Fortführen von Arbeitstätigkeiten ermöglicht werden.

Projektbeschreibung

HMI-Gestaltung

Die im Rahmen von OASIS entwickelten Applikationen und Webservices sollen von der Zielgruppe ein Höchstmaß an Akzeptanz erfahren und optimal genutzt werden. Deshalb ist die Anpassung der Bedienoberflächen und Interaktionskonzepte an die besonderen Bedürfnisse und Eigenschaften älterer Benutzer ein Projektschwerpunkt.

Neben der reinen Optimierung von Nutzungseffizienz vermittelt eine an die individuellen Bedürfnisse, das Wissen und die Erfahrung des Nutzers angepasste Bedienoberfläche ein Gefühl der Kontrolle. Die OASIS-Services werden dann als frei wählbare Hilfestellungen und nicht als Bevormundungen erlebt.

Das Competence Team »Human Factors Engineering« des Fraunhofer IAO entwickelt daher zunächst einen Adaptationsalgorithmus, anhand dessen sich z.B. die graphische Benutzeroberfläche den speziellen Anforderungen des Benutzers, des Benutzungskontexts und des verwendeten Endgeräts anpasst. Abgesehen von dem Vorteil, dass so in jeder Situation eine optimale Informationsdarstellung gewährleistet wird, soll damit auch ein neu angeschafftes Endgerät ohne zusätzliche Anpassung von verschiedenen Benutzern mit unterschiedlichen Einschränkungen, Vorlieben oder Aufgaben verwendet werden können.

Im Weiteren werden die Gestaltungsvorgaben für die Benutzeroberflächen der verschiedenen OASIS-Applikationen definiert und die Projektpartner bei der Umsetzung dieser Kriterien in einem iterativen Entwicklungsprozess unterstützt. Dieser Engineering-Prozess, welcher durch den zugrunde liegenden Adaptionsalgorithmus auf einem höheren Abstraktionsniveau stattfindet, ist wegweisend für die Entwicklung von Mensch-Maschine-Schnittstellen der kommenden Jahre, denn hier ist eine zunehmende Fokussierung auf automatisch aus Komponentensets erzeugte Benutzeroberflächen zu erwarten.

Team: Human Factors Engineering