Auswahl und Managementmodell eines Lern- und Wissensmanagementsystems für das etz Stuttgart

Aus IAO-Wiki

Ausgangssituation

Das Elektro Technologie Zentrum (etz) Stuttgart ist ein berufliches Bildungszentrum für das informations- und elektrotechnische Handwerk und ist in diesem Rahmen zuständig für die Erstausbildung, überbetriebliche Weiterbildung und Durchführung von Meisterkursen. In der Vergangenheit hat das etz Stuttgart bereits mit einer Vielzahl von Projekten und Initiativen wegweisende Entwicklungen im Bereich des Blended Learnings bzw. von E-Learning-Konzepten getätigt. Sowohl für die Aus- als auch die überbetriebliche Weiterbildung sowie prospektiv für einen möglichen Bachelorstudiengang fertigen die Dozenten des etz Stuttgart eine Vielzahl von Kursmaterialien für den klassischen Frontalunterricht, den Projektkurs/Gruppenkurs und den Selbstlernmodus (E-Learning) an. Bisher kommen für die Erstellung und Speicherung der Lerninhalte in den Bereichen der Aus- und überbetrieblichen Weiterbildung unterstützend verschiedene Content-Management-Systeme (CMS) bzw. Learning-Content-Management-Systeme (LCMS) zum Einsatz. Wesentlich ist dabei, dass alle Dozenten selbst für die Erstellung ihrer Lernmaterialien verantwortlich sind. Dabei findet oftmals nur eine geringe systematische Wieder- und Weiterverwendung von bestehenden Lerninhalten zwischen den einzelnen Dozenten statt. Der Wissensaustausch im Sinne von Good Practices der Dozenten untereinander über den erfolgreichen Einsatz bestimmter vorhandener Lerninhalte und über deren didaktische Anwendung wird bisher nicht durch elektronische Medien unterstützt.

Zielsetzung

Ziel des Projekts war es, das etz Stuttgart darin zu unterstützen, mit einer dedizierten Wissensmanagementlösung die verteilten Erstellungsarbeiten vieler Dozenten mithilfe eines vereinheitlichenden Systems zu unterstützen und mittelfristig damit auch die Voraussetzung zu schaffen, dass die redaktionellen Arbeiten mehr und mehr in eine Gesamtheit vergleichbarer, kombinierbarer, gut aktualisierbarer Inhaltsmodule münden. Dies schafft zusätzlich die Voraussetzungen für eine standardisiertere Produktion und Qualitätssicherung für Lerninhalte. Bis heute gibt es keine klaren Prozesse und Anreize, Kollegen auf Fehler oder Verbesserungspotenziale in den Lerneinheiten aufmerksam zu machen und damit insgesamt für eine Qualitätssteigerung zu sorgen. Dieses Lernen von den Erfahrungen anderer soll durch solch ein System genauso unterstützt werden wie die bessere Austauschbarkeit von Lerninhalten, die auch für den Lehrbetrieb eine größere Flexibilität schaffen würde. Damit umfasst das gesuchte System sowohl Komponenten eines Learning-Content-Management-Systems als auch eines Wissensmanagementsystems. Die Wirksamkeit eines Wissensmanagementsystems hängt stark von der Beteiligung und Nutzung durch die Mitarbeiter ab. So wurde unterstützend eine Organisationsanalyse durchgeführt, auf deren Basis Gestaltungsvorschläge für ein Anreizsystem erarbeitet wurden.

Projektbeschreibung

Das Vorgehen im Projekt untergliederte sich in einen technologischen und einen organisatorischen Teil. Technologisch stand die Identifizierung der Anforderungen des etz hinsichtlich eines geeigneten Wissensmanagementsystems vor dem Hintergrund der beschriebenen Ausgangssituation im Mittelpunkt. Hierzu waren folgende Schritte erforderlich:

  • Überblick über relevante Systeme: Recherche / Einordnung und Bewertung von möglichen Systemangeboten; Erarbeitung eines Bewertungsrasters
  • Auswahl und Anschreiben der Anbieter mit einem Kriterienkatalog; Auswertung anhand eines erweiterten Bewertungsrasters
  • Organisation von Demonstrationsterminen seitens ausgewählter Anbieter

Die ausgewählte Wissensmanagementanwendung war in der Lage, Lerninhalte getrennt von der Ausgabeform (Powerpoint, PDF, Webseite) modularisiert aufzunehmen. Die Trennung von Inhalt und Layout sowie Modularisierung steigerten die Wiederverwendung von Lerninhalten unabhängig vom Ausgabemedium. Neben einer stärkeren Wiederverwendung von Inhalten sollte die Wissensmanagementanwendung zusätzlich einen Austausch von Wissen und Erfahrung der Dozenten untereinander ermöglichen. Leitbild für die Gestaltung der Wissensmanagementanwendung sind sog. »Wikis«. Die Wissensmanagementanwendung sollte dazu dienen, sog. Dozenten- oder Lernerleitfäden aufzunehmen.

Diese Leitfäden beziehen sich auf die vorliegenden Lerninhalte und beschreiben deren erfolgreiche didaktische Anwendung. Die Leitfäden sollten von jedem Dozenten einfach eingestellt oder überarbeitet werden können. Versionierung spielte dabei eine wichtige Rolle, um die Entwicklung der Leitfäden nachvollziehbar zu machen. Es sollte darüber hinaus möglich sein, diese Leitfäden mit den vorhandenen Lerninhalten der Plattform zu verbinden, sodass ein Bezug zwischen den Erfahrungen der Dozenten und verwendeten Lernmaterialien hergestellt werden kann. Zu jedem dieser Leitfäden sollte es darüber hinaus möglich sein, Diskussionen zu starten bzw. Kommentare oder auch Bewertungen zu den jeweiligen Artikeln/Inhalten abzugeben, um so den Wissensaustausch der Dozenten untereinander zu steigern. Im organisatorischen Teil des Projekts wurden die Rahmenbedingungen des Unternehmens für die Einführung eines Wissensmanagementsystems erhoben sowie Umsetzungsvorschläge abgeleitet. Ein Wissensmanagementsystem – sofern erfolgreich implementiert – bringt nicht nur Erleichterung und Effektivität in die Unternehmen. Der Aufbau und Betrieb ist in hohem Maße von der Mitwirkung und Beteiligung der Mitarbeiter abhängig. Die Erfahrung zeigt, dass nicht wenige Projekte genau an diesem Punkt scheitern. Bei der Untersuchung wurden daher verschiedene organisatorische Einflussfaktoren, die für einen Wissensaustausch bedeutend sind, erhoben. In diese Untersuchung wurde zum einen die Ebene der Organisation als formaler Rahmen eines Unternehmens für gruppenspezifische und individuelle Verhaltensweisen einbezogen, zum anderen die Ebene der unmittelbaren sozialen Umgebung des Mitarbeiters durch Team- oder Abteilungsbeziehungen und schließlich die konkrete Person und ihr Verhalten in Arbeitsabläufen.

Ergebnisse

Von den Mitarbeitern werden in dem umgesetzten Wissensmanagementsystem erhebliche Erleichterungen in den Bereichen der Wiederverwendung und Erstellung von Lernmaterialien gesehen. Die Wiederverwendung über verschiedene Ausgabekanäle und Medien sowie die Aktualität der vorliegenden Lerninhalte konnte gesteigert werden.

Das Zusammenführen der Lerninhalte in einem einheitlichen System führte zur einer Konsolidierung und Vereinheitlichung der Inhalte. Darüber hinaus steigerte das System über Komponenten des Web 2.0 (Wiki, Diskussionen, Reputationsmechanismen) den Erfahrungsaustausch der Dozenten untereinander. Eine zeitnahe Nachverfolgung des Wissensaustauschs und der Diskussion durch sog. »Kümmerer« soll den Mitarbeitern signalisieren, dass ihr individueller Wissensbeitrag wertgeschätzt wird, und dass das Wissensmanagementsystem ihnen eine tatsächliche Arbeitserleichterung bringt. Die Dozenten sind somit in der Lage, Impulse für die inhaltliche Weiterentwicklung der Lerninhalte zu liefern. Die Transparenz über bestehende Lerninhalte und deren erfolgreiche (didaktische) Anwendung konnten gesteigert werden.

Team: Business Performance Management