Fit2solve: Vom Produzenten zum Lösungsanbieter

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Ausgangssituation

Exzellenz in der Entwicklung und Herstellung von technischen Produkten ist für eine Vielzahl der Unternehmen in der Investitionsgüterindustrie heute nicht mehr ausreichend. Die preisliche und funktionale Angleichung der Sachgüter führt dazu, dass der Spielraum zur Differenzierung vom Wettbewerb kleiner wird. Als Konsequenz gehen Unternehmen vermehrt dazu über, individualisierte Kombinationen von Sach- und Dienstleistungen zu entwickeln, die sich nahtlos in die Wertschöpfungsprozesse der Kunden einbinden lassen. Diese Leistungen können auch als integrierte Problemlösungen bezeichnet werden.

Die Transformation vom stückzahlenorientierten Produzenten zum margenorientierten Lösungsanbieter ist mit zahlreichen Unwägbarkeiten verbunden, die von der Anpassung der Entwicklungsprozesse und Produktarchitekturen über organisatorische Änderungen bis zum Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) reichen. Ein erfolgreicher Wandel erfordert daher ein strukturiertes Vorgehen mit angemessenen Methoden und Werkzeugen.

Zielsetzung

Das »fit2solve«-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Investitionsgüterhersteller umfassend während des Wandels vom produzierenden Unternehmen zum integrierten »Lösungsanbieter« methodisch zu unterstützen. Während der Projektlaufzeit (Juli 2006 bis März 2009) werden unter wissenschaftlicher Begleitung zusammen mit vier Investitionsgüterherstellern – vom Start-up bis zu Großunternehmen wie FESTO und SICK – Methoden und Instrumente entwickelt, die das Lösungsmanagement umfassend unterstützen.

Im Vordergrund stehen dabei Methoden zur Erfassung von Kundenbedürfnissen und -anforderungen für komplexe Produkt-Service-Kombinationen, zur strukturierten Konzeption und Entwicklung neuer, flexibel anpassbarer Produkt-Service-Bündel sowie zur Erfassung und zum Management von Kompetenzen für Mitarbeiter im »Lösungsbereich« (z.B. Servicetechniker).

Das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart (IAT), das eng mit dem Fraunhofer IAO kooperiert, zeichnet als wissenschaftlicher Projektpartner insbesondere für die Gestaltung von Entwicklungsprozessen für integrierte Leistungsangebote verantwortlich.

Projektbeschreibung

Die Aktivitäten eines Lösungsanbieters stehen teilweise im Konflikt zu den bestehenden Abläufen im Unternehmen. Die eigentliche Entwicklungsarbeit bei den Betriebspartnern wird daher in geschützten Pilotprojekten geleistet, welche sich durch die aktive Teilnahme betroffener Mitarbeiter und ausgewählter Kunden der Betriebspartner auszeichnen. Durch diesen experimentellen »Bottom-up«-Charakter der Projekte werden größere Freiräume, aber auch größere Resonanz und Akzeptanz bei betroffenen Mitarbeitern und Kunden sichergestellt.

  • Erfassung der Ausgangssituation der Industriepartner und Aufstellen einer »Roadmap« zum Lösungsanbieter. Zeitgleich wird vom IAT der Status des »Lösungsmanagements« anhand einer empirischen Untersuchung erhoben.
  • Iterative Durchführung von Maßnahmen des Wandels innerhalb der betrieblichen Pilotprojekte: dazu gehören insbesondere die Aufnahme von Kundenanforderungen an zukünftige Lösungen sowie deren Umsetzung im Lösungsentstehungsprozess.
  • Methodische Begleitung, Rückführung und Aufbereitung der Ergebnisse sowie deren Publikation via Internet über die »fit2solve«-Lösungsmanagementplattform.

Die Ergebnisse des »fit2solve«-Projekts beinhalten:

  • Die Erhebung des heutigen Stands von Praxis und Wissenschaft zum Thema Lösungsmanagement und die Aufnahme industrieller »Good Practices«.
  • Das Erstellen einer langfristigen Vision und detaillierter Transformationspläne, um von einem Hersteller von Investitionsgütern zu einem Anbieter von integrierten Lösungen zu gelangen.
  • Die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen für das Management des Lösungserbringungsprozesses und Leitlinien zur Anpassung von (vorhandenen) Unternehmensmanagementsystemen.
  • Die Ausarbeitung einer online verfügbaren »Lösungsmanagement-Suite«, die frei zugänglich als »Open-Access«-Portal Hilfe zur Selbstbewertung und -entwicklung von Unternehmen bereitstellt. Die Plattform gewährt sowohl Zugang zu Fallstudien der Projektpartner als auch zu zahlreichen illustrierten Methoden und Werkzeugen.

Team: F+E-Management