Innovationskultur stärken

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Nur als innovative Gesellschaft sind wir zukunftsfähig. Innovative Unternehmen, Bildung, Forschung und Technologie sind das Rückgrat für Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb und die Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds geförderte strategische Partnerschaft Fit für Innovation hat das Ziel, das Bewusstsein für die Bedeutung der Innovationsfähigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu schärfen. Sie versteht sich als Wissens-, Transferund Lernforum, das Unternehmen und Beschäftigte unterstützt, Innovationen herbeizuführen und die dazu erforderlichen Veränderungen erfolgreich zu gestalten.

Innovationskultur 2020 - Stark, einzigartig und vernetzt

Innovationskultur stärkenGleichwohl können wir beobachten, dass es Unternehmen gibt, die scheinbar über eine ausgeprägte Innovationskultur verfügen. Firmen wie Google, Apple, Hewlett Packard oder 3M gelten hierfür als leuchtende Beispiele. Ihre Produkte und Dienstleistungen revolutionieren ganze Märkte und Industrien. Diese Unternehmen investieren nicht nur überproportional in Forschung und Entwicklung, sondern haben auch ihre Arbeitsorganisation entsprechend optimiert, denn letztlich werden Innovationen immer von Menschen gemacht. Dass diese Firmen auch wirtschaftlich erfolgreich sind, verweist zudem auf eine enge Beziehung zwischen der Innovationskultur und dem ökonomischen Erfolg. Aber innovative Höchstleistungen werden nicht nur in Großkonzernen, sondern gerade auch im deutschen Mittelstand erzielt. Hier sind nicht wenige Unternehmen Weltmarktführer in ihren jeweiligen Branchen, wenngleich die Innovationskultur dieser Unternehmen öffentlich weniger breit diskutiert wird.

Innovationskultur als Forschungsfeld
Eine der größten Herausforderungen in Bezug auf Innovation liegt für alle Unternehmen heute darin, das gesamte Innovationspotenzial des Unternehmens stärker zu aktivieren, um noch schneller, noch besser und noch professioneller auf Kunden- und Marktanforderungen reagieren zu können, oder aber um diese Anforderungen durch neue Leistungen und Produkte selbst zu definieren. Nur durch eine Steigerung der Innovationskraft ist es Unternehmen möglich, im internationalen Wettbewerb zu bestehen, aber auch nur so entstehen diejenigen Produkte und Leistungen, die für die Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft – beispielsweise in den Feldern Energie, Mobilität oder Gesundheit – benötigt werden. Dabei genügt es heute nicht mehr sich allein auf eine leistungsfähige Forschungs- und Entwicklungsabteilung oder geniale Einzelpersonen zu verlassen. Innovation findet auch (und immer mehr) an der Schnittstelle zum Kunden, in der Vernetzung mit Kooperationspartnern oder im wechselseitigen Austausch der Beschäftigten statt. Diese Entwicklungen machen das Thema „Innovationskultur“ zu einem Forschungsfeld, welches bislang erst ansatzweise erschlossen ist.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat vor diesem Hintergrund im Förderschwerpunkt „Entwicklungsfaktoren für den Aus- und Aufbau innovationsförderlicher Unternehmenskulturen und Milieus“ in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Projektverbünden für die Gestaltung von innovationsförderlichen Bedingungen gefördert. Mit den aktuellen Forschungsschwerpunkten „Balance von Flexibilität und Stabilität“ und „Innovationsstrategien jenseits traditionellen Managements“ richtet das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Forschungsfokus auf bislang kaum beachtete, ungewöhnliche und kreative Ansätze der betrieblichen Innovationsgestaltung. Diese wenden sich den eher „weichen“ Faktoren im Innovationsgeschehen zu und setzen dort an, wo die Notwendigkeit gesellschaftlicher und betrieblicher Flexibilität und Veränderungsfähigkeit auf das Bedürfnis von Menschen und Organisationen nach Verlässlichkeit und Stabilität treffen oder tradierte Managementstrategien im Innovationsprozess nicht mehr greifen (http://pt-ad.pt-dlr.de). Einige Ergebnisse aus diesen Vorhaben finden sich in den Praxisbeispielen dieser Broschüre wieder.

Schlüsselelemente einer Innovationskultur

Welches werden weitere Schlüsselelemente zukünftiger Innovationskulturen sein? Dieser Fragestellung haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises aus ihren unterschiedlichen Hintergründen und Zugängen zu dieser Thematik gestellt und sind der Auffassung, dass wir es uns zukünftig nicht mehr erlauben können, Innovation nicht zu einem Thema für alle Beschäftigten zu machen. Das führen uns die Prognosen für die Arbeitsmärkte der Zukunft heute schon deutlich vor Augen. Innovationen nur in ausgewählten und exklusiv damit beauftragten Bereichen oder Kreisen zu thematisieren, andere bewusst oder unbewusst auszuschließen, weil sie anscheinend nicht das richtige Alter oder Geschlecht haben, anderer kultureller Herkunft oder einfach in Unternehmensbereichen tätig sind, die nicht auf den ersten Blick „innovationsverdächtig“ sind, das werden wir uns zukünftig nicht mehr erlauben können. Hier gilt es wertvolles Potenzial zu erschließen, das bislang nicht genügend beachtet wurde. Es gilt Innovationen im Dialog der Erfahrungen Älterer und der Neugierde Jüngerer hervorzubringen. Es gilt alle zu beteiligen und Maßnahmen zu entwickeln, um das kulturelle Selbstverständnis, die Begeisterung für Innovation in Schwung zu bringen. Innovationsbemühungen aller Art in einem offenen und konstruktiven Dialog wertzuschätzen, das ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung. Aber auch die gegenseitige Wertschätzung im Umgang miteinander.

Neben den oben beschriebenen Schlüsselelementen „Partizipation“ und „Wertschätzung“ werden zukünftig aber auch „gemeinsame Zielsetzungen“ und „Identifikation“ wichtige kulturelle Elemente sein. Denn in einer dynamischen und sich oftmals unvorhersehbar verändernden Umwelt sind gemeinsame Zielsetzungen und Leitbilder von Unternehmen wichtige Orientierungspunkte, die Maßstäbe und Richtlinien für das strategische und alltägliche Handeln bieten und zwischen Gegenwart und Zukunft vermitteln. Dies trägt wesentlich zur Orientierung, Identifikation und zur Entwicklung von Handlungskompetenz auf Mitarbeiterebene bei. Ziel ist es, möglichst viel des vorhandenen Innovationspotenzials zu heben bzw. dieses Potenzial zu erweitern.

Die eigenen Mitarbeiter sind hier wesentliche Akteure, jedoch nicht die einzig relevanten. Wertschöpfungspartner, Kunden, Gesellschaft, sie alle werden zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Innovationsfähigkeit leisten. Der Möglichkeitsraum für Innovationen wird zukünftig nicht mehr auf das Unternehmen selbst beschränkt sein, sondern schließt das sozio-ökonomische Umfeld mit ein. Dies erfordert tradierte, hierarchiebezogene Formen der Kommunikation in Unternehmen aufzuheben und neue Spielregeln für eine offene und vernetzte Kommunikation innerhalb und über die Unternehmensgrenzen hinweg aufzustellen.

Herausforderungen der Innovationskultur

Die besondere Herausforderung an die Entwicklung und Gestaltung einer solchen innovationsorientierten Unternehmenskultur besteht darin, dass sich diese Prozesse zugleich in einem Umfeld wachsender ökonomischer Dynamik und erhöhten Flexibilitätsanforderungen an Unternehmen und Beschäftigte vollziehen. In diesem Zusammenhang gilt es neue Antworten auf Fragen und Problemstellungen zu finden, die sich bereits heute abzeichnen und deren Relevanz weiter zunehmen wird. Wie gelingt die Integration von Kern- und Randbelegschaften? Was bedeutet Unternehmenskultur im Kontext offener und netzwerkbasierter Innovations- und Kooperationsprozesse und welche Rolle spielt die Ausdifferenzierung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien für die Etablierung gemeinsam gelebter Verhaltens-, Handlungs- und Kommunikationsmuster? Es spricht derzeit vieles dafür, dass die Antworten, die auf diese Fragen gegeben werden, in nicht unerheblichem Maße über die Innovationsfähigkeit von Menschen, Unternehmen und letztlich über die Zukunft des Innovationsstandortes Deutschland insgesamt entscheiden werden. Die Praxisbeispiele dieser Broschüre möchten erste Hinweise geben, wie diese Antworten aussehen können.

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