Kritische Erfolgsfaktoren zur Steigerung der Innovationsfähigkeit

Aus IAO-Wiki

Empirische Studie bei produzierenden KMU

Ziel der vorliegenden Befragung war, das Vorhandensein und die Relevanz von vorher identifizierten Kritischen Erfolgsfaktoren bei innovativen Unternehmen zu untersuchen. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde das InnoAudit entwickelt, ein systematisches Verfahren zur Steigerung der Innovationsfähigkeit.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Rahmen der durchgeführten Telefonbefragung von 151 Unternehmen alle zuvor in einzelnen Workshops identifizierten Kritischen Erfolgsfaktoren für Innovation bestätigt wurden. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen hat die abgefragten Kritischen Erfolgsfaktoren für Innovation als »wichtig« oder »sehr wichtig« für die betriebliche Innovationsfähigkeit eingeschätzt. Da sich die einzelnen Kritischen Erfolgsfaktoren inhaltlich den eingangs beschriebenen neun Gestaltungsfeldern für Innovationsfähigkeit zuordnen lassen, kann davon ausgegangen werden, dass somit auch diese Gestaltungsfelder wichtig für die Innovationsfähigkeit sind. Sie stehen somit stellvertretend für diejenigen Bereiche in Unternehmen, die bei der Ausschöpfung des Innovationspotenzials wichtige Einflussgrößen darstellen.

Im Rahmen der vorliegenden Telefonbefragung wurden innovative Unternehmen unterschiedlicher Größe aus den Branchen Elektrotechnik und Maschinen und Anlagenbau mit unterschiedlichen Produktionsstrukturen befragt. Bis auf ein Unternehmen konnten alle befragten Unternehmen anhand von ausgewählten Vergleichswerten im Hinblick auf ihre Innovationsfähigkeit als überdurchschnittlich innovativ eingestuft werden. Die ausgewählten qualitativen Kritischen Erfolgsfaktoren von innovativen Unternehmen sind relevant für die betriebliche Innovationsfähigkeit und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Innovationsfähigkeit.

Über die gegebene Relevanz für die betriebliche Innovationsfähigkeit hinaus konnte auch gezeigt werden, dass alle abgefragten Kritischen Erfolgsfaktorenbei der Mehrheit der befragten Unternehmen tatsächlich vorhanden sind. Zum einen erachten Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche all diese Kritischen Erfolgsfaktoren für »wichtig«, oder »sehr wichtig« für ihre Innovationsfähigkeit. Zum anderen werden diese Kritischen Erfolgsfaktoren in den Unternehmen auch zum überwiegenden Teil umgesetzt. Allerdings zeichnen sich hierbei einige Unterschiede hinsichtlich der Größen- und Branchenverteilung ab. In größeren Unternehmen scheinen diejenigen Kritischen Erfolgsfaktoren häufiger vorzuliegen, die mit strukturellen Maßnahmen zusammenhängen und mit einer stärkeren Standardisierung verbunden sind. So sind beispielsweise Anreizsysteme für neue Ideen der Mitarbeiter, individuelle Leistungsbewertungssysteme oder systematische Auswahlkriterien für Innovationsprojekte bei größeren Unternehmen stärker verbreitet, als bei KMU. Umgekehrt spielen bei KMU andere, eher flexibilitätsorientierte Kritischen Erfolgsfaktoren eine Rolle, wie z. B. »schnelle und kurze Entscheidungswege«, »individuelle Arbeitsbedingungen«, »Einbringung von Ideen und Vorschlägen der Mitarbeiter«, »Fehler als Lern-Chance« oder »Einbeziehung der Kunden in die Produktentwicklung«.

Einige Unterschiede zeigen sich zwischen KMU und größeren Unternehmen auch hinsichtlich der Relevanzeinschätzung bestimmter Kritischer Erfolgsfaktoren. Größere Unternehmen betrachten »schnelle und kurze Entscheidungswege«, »systematische Verarbeitung von Kundenfeedback« und eine breite Verankerung von innovationsorientiertem Denken und Handeln innerhalb des Unternehmens über verschiedene Hierarchieebenen hinweg häufiger als sehr relevant für ihre Innovationsfähigkeit als KMU. Dies sind Voraussetzungen, die größere Unternehmen erst schaffen müssen, da sie aufgrund ihrer komplexeren Struktur naturgemäß größere Probleme mit deren Umsetzung haben dürften als KMU. Kleine- und mittelständische Unternehmen hingegen betrachten typischerweise Faktoren, wie z. B. »individuelle Arbeitsbedingungen«, »gute Geschäftspartner bei Innovationsprojekten« und »Einbeziehung von Kunden in die Produktentwicklung« als sehr relevant für ihre Innovationsfähigkeit. Dies sind die eindeutigen Vorteile von KMU, die es ihnen ermöglichen, erfolgreich zu innovieren und sich im Wettbewerb zu behaupten.

Betrachtet man die Unterschiede in der Bewertung nach der Verbandszugehörigkeit der befragten innovativen Betriebe, so zeigt sich, dass diese eher in der Bewertung der Relevanz einzelner Kritischer Erfolgsfaktoren als bei ihrem tatsächlichen Vorliegen auftreten. So betrachten Maschinenbaubetriebe Innovation häufiger als Teil der Unternehmensstrategie, das Engagement der Mitarbeiter, die Existenz benötigter Kompetenzen oder Fehler als Lern-Chance häufiger als sehr relevant für die Innovationsfähigkeit als Betriebe der Elektroindustrie. Diese schätzen für ihre Innovationsfähigkeit eher die systematische Verarbeitung von Kundenfeedback, eine genaue Zielfestlegung im Vorfeld, ein finanzielles und technisches Risikomanagement, oder auch systematische Auswahlkriterien für Innovationsprojekte und die Einbeziehung von Kunden in die Produktentwicklung als sehr wichtig ein.

Es hat sich gezeigt, dass zwischen den beiden positiven Ausprägungen »sehr wichtig« und »wichtig« in beiden Dimensionen (Relevanz und Vorhandensein) z. T. deutliche Unterschiede festzustellen sind. Somit wird ersichtlich, dass auch unter innovativen Unternehmen Unterschiede hinsichtlich der Intensität des Beitrags bestimmter Kritischer Erfolgsfaktoren zur Steigerung der Innovationsfähigkeit existieren.

Die Relevanz eines Kritischen Erfolgsfaktors geht im Allgemeinen mit dem Vorhandensein dieses Faktors im Unternehmen einher, auch wenn sich hierbei deutliche Unterschiede zwischen der Intensität des Einsatzes und seiner eingeschätzten Wichtigkeit herauskristallisieren. Nicht alle Kritischen Erfolgsfaktoren, die als »hoch relevant“ für die Innovationsfähigkeit eingestuft werden, sind auch in hohem Maße im Unternehmen vorhanden. Eine Gegenüberstellung von Relevanz und Vorhandensein von Kritischen Erfolgsfaktoren hat gezeigt, dass es durchaus Kritische Erfolgsfaktoren gibt, die im Mittel eine sehr hohe Relevanz für die Innovationsfähigkeit besitzen, aber nicht in entsprechendem Maße zum Einsatz kommen bzw. vorhanden sind. Beispiele dafür sind »hohes Engagement und Eigeninitiative der Mitarbeiter«, »schnelle und kurze Entscheidungswege«, »sehr gute Kenntnisse der Wettbewerbssituation« oder der »planmäßige Abschluss von Innovationsprojekten«. Bei kleineren Untenehmen kommen dazu auch noch weitere Faktoren, die ein Ausbaupotenzial aufweisen, wie z. B. das Vorhandensein benötigter Kompetenzen, eines finanziellen und technischen Risikomanagements oder die Zielfestlegung von Innovationsprojekten im Vorfeld.

Diese Kritischen Erfolgsfaktoren, die selbst bei innovativen Unternehmen noch ein ausbaufähiges Potenzial besitzen, zeigen die Bereiche auf, die für das betriebliche Innovationsmanagement besondere Herausforderungen darstellen. Neben den identifizierten Top 5-Erfolgsfaktoren zeigen die beschriebenen Potenziale am deutlichsten auf, in welchen Bereichen selbst bereits erfolgreich innovierende Unternehmen noch Nachholbedarf in der Umsetzung von Innovationsvorhaben sehen. Diese Kritischen Erfolgsfaktoren bieten Ansatzpunkte für Maßnahmen im betrieblichen Innovationsmanagement.

Download Studie