Strategieentwicklung für das »gesunde Unternehmen«

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Das Konzept des »gesunden Unternehmens« fasst die betrieblichen Strategien des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie der menschengerechten Arbeitsgestaltung zusammen und ergänzt sie um Aktivitäten der Personal- und Organisationsentwicklung. Die Gesundheitsstrategie zielt darauf, erfolgskritische Humanfaktoren im Unternehmen zu stärken, um hierdurch die betriebliche Markt- und Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.

Ausgangspunkt für die Entwicklung einer Gesundheitsstrategie ist ein pragmatisches Gesundheitsverständnis, das erfolgskritische Faktoren aus betrieblicher Perspektive beschreibt. Offenkundig wird die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Arbeitspersonen durch die Art und Weise des individuellen Zusammenspiels von Ressourcen- und Belastungsfaktoren beeinflusst. Eine diesbezügliche Ausgleichs- und Regulationsfähigkeit kommt im gesundheitlichen Befinden zum Ausdruck. Somit erweist sich Gesundheit (im umfassenden Sinne) als eine notwendige Bedingung für ein nachhaltig produktives Tätigsein des Menschen.

Unternehmenserfolg beruht erfahrungsgemäß auf der Ausgestaltung dreier betrieblicher Leistungsbereiche:

  • Wirtschaftliche Wertschöpfung (d. h. effizienter Einsatz von Ressourcen zur Wertschöpfung),
  • Stärkung der Gemeinschaftsordnung (mittels Werten, Rechten und Pflichten), um eine zielgerichtete Zusammenarbeit von Einzelpersonen zu fördern und den Betriebsfrieden zu bewahren,
  • Förderung der Innovations- und Wandlungsfähigkeit (d. h. Ressourcenaufbau durch Werteverzehr).

Auf die Gesundheitsstrategie bezogen lassen sich für diese Leistungsbereiche spezifische Zielsetzungen und Maßnahmen ableiten:

  • Gestaltung schädigungsloser, ausführbarer, erträglicher und beeinträchtigungsfreier Arbeits-bedingungen, die dem Menschen eine Entfaltung von Fähigkeiten in produktiven und effizienten Arbeitsprozessen ermöglicht (vgl. Leistungsbereich der wirtschaftlichen Wertschöpfung),
  • Erfüllung von Standards sozialer Angemessenheit nach Arbeitsinhalt, Arbeitsaufgabe sowie Kommunikation, Kooperation und Entlohnung (vgl. Leistungsbereich der Gemeinschaftsordnung),
  • Gestaltung von lernförderlichen Arbeitsbedingungen einschließlich Handlungsspielräumen, um individuelle Fähigkeiten erwerben und im Zusammenwirken mit anderen die Persönlichkeit entwickeln zu können.

Diese differenzierten Perspektiven des »gesunden Unternehmens« ermöglichen es, konkrete Indikatoren und Kennzahlen für die Umsetzung und das Controlling der betrieblichen Gesundheitsstrategie zu formulieren. Den einzelnen Leistungsbereichen sind dabei spezifische Organisationsformen und Bewertungsmaßstäbe zuzuordnen. Dabei werden die »harten« Parameter der klassischen Betriebswirtschaft durch »weiche« Faktoren ergänzt.

Ein verbreitetes Konzept zur strategischen Steuerung der Unternehmensaktivitäten ist die Balanced Scorecard (BSC). Sie dient dazu, die Gesundheitsstrategie anhand von mehrdimensionalen Zielen, Indikatoren und Maßnahmen zu formalisieren, zu ordnen und zu kommunizieren. Als Instrument des »Performance Measurements« vermag die BSC, die Methoden der betriebswirtschaftlichen Kennzahlentheorie, der Mitarbeiterbefragung und des Benchmarking zu integrieren. Ferner lässt sich die Strategieumsetzung auf allen betrieblichen Ebenen mittels BSC kommunizieren und bewerten. Dies setzt vor allem kleine und mittlere Unternehmen in die Lage, die Potenziale der Gesundheitsthematik mit angemessenem Aufwand in die vorhandenen Strukturen zu integrieren.

Vertiefende Informationen entnehmen Sie der Präsentation:

Kontakt

Dr. Martin BraunDr. Martin Braun
Fraunhofer IAO
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