Studie: Wertschöpfung steigern

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Ergebnisse der Datenerhebung über die Verbreitung und Ausgestaltung von Methoden zur Prozessoptimierung in der Produktion mit besonderem Fokus auf die Wertstrommethode

Wertschöpfung steigernDas Verarbeitende Gewerbe stellt einen der größten Wirtschaftsbereiche in Deutschland dar. Mehr als ein Fünftel der Bruttowertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft, rund 415,8 Milliarden Euro wurden 2009 in diesem Sektor erwirtschaftet. Die wichtigsten Branchen des Verarbeitenden Gewerbes sind der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automobilindustrie. Der europäische Maschinen- und Anlagenbau produziert einen Großteil der weltweiten Kapazitäten. Hinter Japan nimmt Deutschland dabei den zweiten Rang ein. Mehr als 200 Milliarden Euro werden jährlich in diesem Wirtschaftszweig umgesetzt. Der Fahrzeugbau ist mit mehr als 300 Milliarden Euro Jahresumsatz eine weitere Säule der deutschen Industrie. Als besonderes Erfolgsmodell stellen sich im produzierenden Gewerbe hierzulande die mittelständischen Unternehmen dar. Diese sind häufig als Zulieferer von Unternehmen der Automobil- oder der Maschinenbaubranche tätig.

Während des Befragungszeitraumes im Herbst 2009 standen die produzierenden Unternehmen in Deutschland vor großen Herauforderungen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist seit Beginn des Jahres 2008 auch in der Realwirtschaft angekommen. Aufgrund sinkender Exporte und einem Nachfragerückgang im Inland setzte das produzierende Gewerbe in 2009 ein Fünftel weniger um, als im Vorjahr.

Jede Krise stellt jedoch auch eine Chance dar. So können freie Kapazitäten in der Produktion sowie in den indirekten Bereichen dazu genutzt werden die Geschäftsprozesse zu optimieren, neue verbesserte Abläufe zu implementieren und damit die Wertsschöpfung im Unternehmen zu steigern. Für diese Aufgabe existiert eine Vielzahl an Methoden und Vorgehensweisen. Die Wertstrommethode hat sich in den letzten Jahren als besonders erfolgreiche Optimierungsmethode im Bereich der Serienproduktion dargestellt. Kritisch hingegen wird ihre Eignung für die Einzel- und Kleinserienfertigung mit hoher Typen- und Variantenvielfalt gesehen. Die Studie zeigt auf, wie die Wertstrommethode in produzierenden Unternehmen angewandt wird und welche Effekte sich damit erzielen lassen.

Ziele und Aufbau der Studie

Im Zuge zahlreicher am Fraunhofer IAO durchgeführter Beratungsprojekte zur Optimierung von Produktionsabläufen wurde die Wertstrommethode als wirkungsvolles Werkzeug zur Beseitigung von Verschwendung und Verbesserung der Effizienz identifiziert. Während der Zusammenarbeit mit Industriepartnern aus verschiedenen Branchen konnte jedoch auch erkannt werden, dass die bekannte Methode des Wertstromdesigns für spezifische Anwendungsfelder Defizite aufweist. Aus diesen Beobachtungen wurden die folgenden Thesen formuliert:

  • Der Erfolg der Wertstrommethode ist in ihrer Einfachheit begründet. Ein Wertstrom ist ideal als Visualisierungsmittel und Kommunikationsgrundlage.
  • Die Wertstrommethodik wird neben dem Umfeld Automotive auch in der mittelständischen Einzel- und Kleinserienfertigung eingesetzt.
  • Wertstromdesign eignet sich für die Rahmenbedingungen der Einzel- und Kleinserienfertigung bzw. des mittelständischen Maschinenbaus nicht ausreichend.
  • Beim Einsatz der Wertstrommethode wird häufig nicht die gesamte Wertschöpfungskette vom Kunden zum Kunden mit den indirekten Bereichen und den Lieferanten betrachtet.
  • Die Umsetzung getakteter Fließfertigungen und anderer Ergebnisse aus Wertstromprojekten, z.B. das Supermarktprinzip im ERP-System abzubilden, ist schwierig.
  • Der ein Wertstromprojekt leitende Bereich steht im Unternehmen oft alleine da. Es fehlt an breiter Unterstützung aus dem Unternehmen.
  • Die Unternehmen haben in Bezug auf die Wertstrommethode zu wenige qualifizierte Mitarbeiter.
  • Die Wertstrommethodik ist für sich nicht handlungsleitend. Die Umsetzungsmethoden sind nicht Bestandteil der Wertstrommethode aber typischerweise aus dem Lean Management bekannt.

Die Ziele der Studie sind herauszufinden, wie weit die Wertstrommethodik im betrieblichen Umfeld verbreitet ist und wie Wertstrom bei unterschiedlichen produktionsseitigen Rahmenbedingungen eingesetzt wird. Die Analyse der Defizite der Wertstrommethode soll Aufschluss darüber geben, wie die Methode bedarfsgerecht weiterzuentwickeln ist. Ferner zielt die Studie darauf ab, die Beobachtungen des Fraunhofer IAO, die in den letzten Jahren während der Beratungsprojekte gemacht wurden, zu validieren.

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