Dienstleistungen für Elektromobilität

Laut einer Studie des Fraunhofer IAO ist sich eine überwiegende Mehrheit (81 Prozent der Befragten) sicher: Elektromobilität ist das Fortbewegungskonzept der Zukunft (Lamberth-Cocca, Meiren 2016). Dabei gehen knapp drei Viertel der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer jedoch davon aus, dass sich Elektromobilität eher evolutionär als revolutionär in die Mobilitätsgewohnheiten einfügen wird (73 Prozent) und dass sie sich nur bei Betrachtung des »Gesamtsystems Mobilität« erfolgreich umsetzen wird (85 Prozent). Trotz der positiven Sicht auf die Zukunft der Elektromobilität hält sich bei der Mehrheit (74 Prozent) die Meinung, dass Deutschland anderen Ländern derzeit hinterher hinkt. Der kürzlich eingeführten Kaufprämie für Elektroautos als alleiniges Instrument für den Durchbruch der Elektromobilität stehen 67 Prozent der Befragten skeptisch gegenüber. Welche Elektromobilitätsdienstleistungen es gibt und auf welche Aspekte bei deren Entwicklung zu achten ist, stellt einen zentralen Ausgangspunkt für weitere Betrachtungen dar.


Was sind »Dienstleistungen für Elektromobilität«?

Für Unternehmen entstehen durch das Angebot von Dienstleistungen im Bereich Elektromobilität neue Geschäftsmöglichkeiten. Die Beispiele für Dienstleistungen sind dabei vielfältig und reichen von direkt technikbezogenen Services (z. B. Wartung und Reparatur von Elektrofahrzeugen oder Ladeinfrastruktur) über mobilitätsunterstützende Dienstleistungen (z. B. Lademanagement, Batteriewechsel, IT-Plattformen) bis hin zu Zusatzdienstleistungen, welche andere Dienstleistungen oder technische Produkte ergänzen, um deren Nutzen zu erhöhen (z. B. Fahrzeug-Sharing, Flottenmanagement). Abzugrenzen davon sind Veränderungen in Dienstleistungsbranchen, die sich durch die technischen Entwicklungen in der Elektrofahrzeug- und Batterietechnik ergeben, darunter Logistikdienstleistungen, Tourismusdienstleistungen oder öffentlicher Personentransport (z. B. intermodale Mobilität). In der Studie gaben 62 Prozent der befragten Unternehmen an, Dienstleistungen im Bereich Elektromobilität anzubieten. Mögliche Anwendungsfelder stellen sich dabei als sehr heterogen dar; von den befragten Unternehmen angebotene Elektromobilitätsdienstleistungen sind zum Beispiel Beratungsdienstleistungen, ladebezogene Dienstleistungen, Flottenmanagement, intermodale Mobilität, Carsharing, Fahrzeuginformationsdienstleistungen oder Abrechnungsmanagement (Lamberth-Cocca, Meiren 2016). Häufig müssen Unternehmen dafür ihr Geschäftsmodell neu ausrichten. Neue Geschäftsmodelle resultieren beispielsweise aus veränderten Wettbewerbsstrukturen (z. B. Stromanbieter und IT-Unternehmen auf dem Automobilmarkt) und Kooperationsmöglichkeiten (z. B. Integration von Ladeangeboten über Roaming), Nutzerbedarfen (z. B. Überbrückung der Ladezeit, Nutzen statt Besitzen) oder auch Preismodellen (z. B. lastabhängige Tarife beim Laden).


Wozu dienen Dienstleistungen im Bereich Elektromobilität?

Für ein funktionierendes Elektromobilitätssystem spielen Dienstleistungen in Ergänzung zu technischen Fragestellungen eine zentrale Rolle. Neben wirtschaftlichen Faktoren stehen dabei Nutzer und deren Erleben von Dienstleistungsprozessen und -umgebungen im Fokus. Bei den zuvor genannten Bereichen und Beispielen für Dienstleistungen im Bereich Elektromobilität handelt es sich um sog. »Enabler«, die für ein Funktionieren des Elektromobilitätssystems sorgen. Aus systemischer Sicht (vgl. Nationale Plattform Elektromobilität 2014) adressieren Dienstleistungen insbesondere die Nutzerperspektive, um die Akzeptanz zu verbessern. Allerdings müssen dafür auch die anderen Handlungsfelder berücksichtigt werden, darunter Ladeinfrastruktur, Fahrzeugtechnik, Normung und Standardisierung, Informations- und Kommunikationstechnologie. Hier dienen Dienstleistungen insbesondere dem Ausgleich von Defiziten und als Brücke an Systembrüchen (vgl. Cocca, Fabry, Stryja 2015).


Welche Rolle hat die Dienstleistungsentwicklung für die Elektromobilität?

Bei der Entwicklung neuer Elektromobilitätsangebote ist ein systematisches Vorgehen essenziell. Die Dienstleistungsentwicklung konzentriert sich dabei auf die Aspekte der Elektromobilität, welche sich auf eine nutzerfreundliche Mobilität beziehen. Die konsequente Ausrichtung auf die »User Experience« bei der Gestaltung von Elektromobilitätsangeboten zielt darauf ab, die Akzeptanz zu erhöhen und dadurch die Verbreitung auf dem Markt zu unterstützen. Ausgehend von Nutzerbedarfen und -anforderungen werden mithilfe geeigneter Methoden entsprechende Angebote entwickelt. Die Methoden entstammen unter anderem der Nutzerforschung und dem User Experience Design (UX) und weisen Schnittflächen mit Design Thinking und agilen Entwicklungsansätzen auf. Über empathische, spielerische und visuelle Methoden (vgl. Lamberth-Cocca, Friedrich 2016) werden Konzepte entworfen, als Prototypen getestet und anschließend umgesetzt. Wichtig bei der Dienstleistungsentwicklung ist die Umsetzung am Markt. Aus diesem Grund bleibt es im Unterschied zum Design Thinking nicht bei dem Entwurf von Prototypen und Konzepten und deren Tests, sondern der Entwicklungsprozess endet erst mit der tatsächlichen Implementierung im Unternehmen und der erfolgreichen Einführung am Markt.

Im Rahmen des Forschungsprojekts »Dienstleistungen für Elektromobilität: Förderung von Innovation und Nutzerorientierung (DELFIN)« untersucht das Fraunhofer IAO, wie neue Dienstleistungen Elektromobilität vorantreiben können. Im Vordergrund stehen hierbei Erfolgsfaktoren für die Entwicklung und Gestaltung von Elektromobilitätsdienstleistungen aus Nutzersicht und aus Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten. Neben allgemeinen Faktoren werden konkrete Methoden zusammengestellt und erarbeitet, welche die Nutzeranalyse und -integration über den gesamten Entwicklungsprozess einer Dienstleistung für das Anwendungsfeld Elektromobilität unterstützen.

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