Fachkräftemangel und Instrumente der Personalgewinnung

Es deutet vieles darauf hin, dass sich der Mangel an qualifizierten Fachkräften für die deutsche Wirtschaft zu einer Innovations- und Wachstumsbremse ausweitet. So hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) ermittelt, dass der hiesigen Wirtschaft jährlich 18,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung entgehen, weil nicht genügend qualifizierte Kräfte zur Verfügung stehen. Allein in 2008 fehlen in Deutschland ca. 95.000 Ingenieure, schätzt das Institut.

Auch im Rahmen unserer Forschungs-und Beratungsprojekte konnten wir in den vergangenen Jahren immer wieder feststellen, dass Unternehmen Schwierigkeiten haben, geeignetes Personal zu finden. In einem Fall konnten wir hautnah erleben, wie ein Dienstleistungsunternehmen in seinem Auslandswachstum gebremst wurde, weil man nicht ausreichend Personal verpflichten konnte, welches sowohl den fachlichen als auch den sozialkommunikativen Anforderungen entsprach. Für uns war dies Anlass, Fragestellungen der Personalgewinnung intensiver zu beleuchten.

Offenkundig hat sich in den vergangenen Jahren im Segment hochqualifizierter Jobs das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu Gunsten der Bewerberinnen und Bewerber verschoben. Anders ausgedrückt: es gibt für bestimmte Tätigkeiten mehr qualifizierte Jobs als qualifizierte Kandidaten. Das lässt vermuten, dass die Unternehmen sich auf diese Situation eingestellt und ihre personalwirtschaftlichen Aktivitäten und Prozesse entsprechend ausgerichtet haben. Ein Blick in die unternehmerische Human Ressource-Praxis lässt aber erahnen, dass dies nicht in allen Unternehmen der Fall ist.

Zwar schreiben sich viele Unternehmen »Innovation« auf die Fahne. Aber gilt dies auch für das Human Ressource Management (HRM)? Oder leiden gerade diejenigen Unternehmensbereiche, deren Aufgabe es ist, Innovationskapital in Form von Wissen und Knowhow zu akquirieren, selber unter einem Mangel an Innovation? Wir können auf solche Fragen keine abschließenden Antworten geben. Wir haben uns jedoch zum Ziel gesetzt, im Rahmen einer Befragung zu prüfen, welche Instrumente und Vorgehensweisen zur Personalgewinnung in den Unternehmen zum Einsatz kommen und wie der Erfolg dieser Instrumente aus Sicht der Unternehmen bewertet wird.

Das methodische Vorgehen dazu beruhte auf einem zweistufigen Verfahren: Zunächst haben wir mit mehreren Personalverantwortlichen Gespräche über ihre Rekrutierungsstrategien geführt. Die Ergebnisse der Gespräche bildeten die Grundlage für die Erstellung eines Fragebogens, den wir an 1.300 Personalverantwortliche verschickt haben. Dabei haben wir gezielt produzierende Unternehmen aus innovativen Branchen sowie technische Dienstleistungsunternehmen angeschrieben, da hier derzeit die größten Bedarfe an Fachkräften zu vermuten sind.

Allein der hohe Rücklauf an ausgefüllten Fragebögen zeigt, dass wir mit unserer Befragung zum Thema Fachkräftemangel und Personalgewinnung an einem Punkt ansetzen, der für die Unternehmen aktuell von hohem Interesse ist. Wir hoffen, dass die nachfolgend präsentierten Ergebnisse auf ähnliches Interesse stoßen.

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