IT-gestützte White-Spot-Analyse

Unerforschte Flecken auf einer geografischen Landkarte weckten schon vor Jahrhunderten Anreize für die Entwicklung neuer Technologien: zur Erforschung der Meere und Kontinente unserer Erde wurden beispielsweise leistungsfähige Schiffe und Automobile sowie Navigationstechniken erfunden und stetig weiterentwickelt. Heutzutage sind zwar die weißen, unerforschten Flecken auf dem Globus weitestgehend verschwunden, aber in speziellen Technologie- und Patentlandkarten werden sie auch heute noch entdeckt und für die Entwicklung innovativer Produkte genutzt. Solche Landkarten visualisieren zweidimensional die Beziehungen zwischen Analyseparametern. Verschiedenste Parameter lassen sich sinnvoll in Beziehungen setzen und grafisch darstellen. So kann eine Landkarte beispielsweise eine einfache Matrix sein, welche Firmennamen und Technologien gegenüberstellt. Oder die Landkarte zeigt die Häufigkeit bestimmter Schlüsselwörter innerhalb eines Technologiebereiches in Form von angedeuteten Tälern und Bergen, welche die Häufigkeit der Wörter in den Patenten symbolisieren. Patente bieten sich für die Erstellung solcher Landkarten besonders an, da ein Großteil der weltweit angewendeten Technologien über Patentschriften verfügbar ist, die jedem Interessierten kostenlos zur Verfügung stehen.

Die vorliegende Studie fokussiert sich daher auf die Nutzung von Patentdaten zur Analyse einer Technologie. Sie zeigt im ersten Hauptteil auf, wie und mit welchen Werkzeugen man Patente analysieren kann und welche Schlussfolgerungen sich aus den gewonnenen Daten ergeben. Abgerundet wird der einführende Abschnitt mit den Ergebnissen einer Umfrage, welche den Nutzungsgrad von Patentdatenanalysen und -werkzeugen in Unternehmen mit Sitz in Deutschland aufzeigen. Im zweiten Hauptteil der Studie wird eine spezielle Patentdatenanalyse, die IT-gestützte White-Spot-Analyse des Fraunhofer IAO, detailliert vorgestellt. Diese White-Spot-Analyse wird in zwei Schritten durchgeführt: im ersten Schritt erfolgt die Erstellung der Problem-Lösungs-Landkarte in Form einer Matrix und im zweiten Schritt die Bewertung der gefundenen freien Flächen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Der erste Schritt der White-Spot-Analyse basiert ausschließlich auf Patentdaten, da Patente sowohl technische Lösungen als auch die zugehörigen Probleme beinhalten und sich damit besonders eignen, um wertvolle Informationen für die lösungs- sowie problemorientierte Ideengenerierung zu liefern. Um jedoch aus einer Vielzahl von Patenten möglichst effizient die jeweiligen Probleme und Lösungen zu erfassen, sind IT-gestützte Verfahren und damit spezielle Text- Mining-Werkzeuge nötig. Es hat sich jedoch gezeigt, dass auf dem Markt bislang kein Werkzeug zur Verfügung steht, das über Schlüsselwörter oder Phrasen hinaus detailliert Probleme und Lösungen in einem Technologiefeld zur Verfügung stellt. So wurde vom Fraunhofer IAO in Kooperation mit der TEMIS Deutschland GmbH eine sogenannte Skill CartridgeTM für Patente entwickelt, womit gezielt die Probleme und Lösungen herausgesucht und für weitere Analysen zur Verfügung gestellt werden können.

Für den zweiten Analyse-Schritt, der Bewertung der wirtschaftlichen Attraktivität eines freien Technologiefeldes, werden zum Einen verschiedenste Marktdaten benötigt. Diese können zusätzlich zu gängigen Datenerhebungsmethoden ebenfalls mit Hilfe von Text-Mining-Werkzeugen recherchiert werden. Zum Anderen erfolgt die wirtschaftliche Bewertung zusätzlich unter Einbindung unternehmensspezifischer Parameter, um den Unternehmen möglichst individuell nutzbare Ergebnisse liefern zu können. Beispielsweise lassen positive Marktwachstumszahlen ein freies Technologiefeld in der Patentlandkarte vielleicht als eine erfolgversprechende Entwicklungslücke erscheinen. Wenn ein Unternehmen über die Maße hinaus, beispielsweise für die Entwicklungsinfrastruktur oder das personelle Know How investieren müsste, wäre eine Investition in dieses Feld eventuell weniger erfolgversprechend.

Um die Leistungen der White-Spot-Analyse in der Praxis aufzuzeigen, wurde im dritten Hauptabschnitt der Studie eine Analyse am Beispiel Elektromobilität skizziert. Im Rahmen der Analyse wurden die Probleme und Lösungen im Bereich Batteriemanagementsysteme IT-gestützt extrahiert und Möglichkeiten der wirtschaftlichen Analyse aufgezeigt.

Den Abschluss der Studie bildet ein Ausblick auf geplante Weiterentwicklungen der IT-gestützten White-Spot-Analyse.

Download Studie