Studie: InnoDemo - Innovationsmanagement mit allen Altersgruppen

»Hey, hey Wickie!« Der gewitzte Comic-Held aus der Kinder-TV-Serie begeistert seit mehr als 30 Jahren mit seiner Fähigkeit, in einem ausgesprochen kreativitätsfeindlichen Umfeld geniale Ideen zu finden und sie mit Hilfe der »starken Männer« erfolgreich umzusetzen. Als Zeichentrickfigur altert Wicki dabei selbstverständlich nicht und bedient das Bild: Die Kreativen sind jung, die anderen sind alt. Wie bedeutsam sind solche Altersbilder in unseren Köpfen? Sind sie in der betrieblichen Praxis wirksam und relevant?

Innovationen als Wirtschaftsfaktor

Innovationen und die damit einhergehenden Verbesserungen und Veränderungen sind der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Durch die Globalisierung und die rasante Entwicklung der Informationstechnik verändert sich das Wirtschaftsleben in allen Branchen immer schneller – eine Entwicklung, die den Wettbewerb um die besten Ideen und Innovationen radikal verschärft (vgl. Stern/ Jaberg 2005, S. 1ff). Auf die Innovationserfolge der Unternehmen und damit auf den wirtschaftlichen Erfolg haben die Beschäftigten einen entscheidenden Einfluss (vgl. Schat/ Jäger 2010, S. 1).

Alternde Belegschaften als Herausforderung für Unternehmen

Der demografische Wandel, die immer älter und immer weniger werdende Bevölkerung in Deutschland, wirkt sich auch auf die Erwerbsbevölkerung und somit auf die Unternehmen aus. Langfristig werden diese Veränderungen und die daraus resultierenden Herausforderungen für viele Unternehmen unterschiedlichster Branchen nachhaltige Konsequenzen haben, sei es in Form von Kapazitäts- und Qualifikationsproblemen, Kostensteigerungen oder Rekrutierungsproblemen (vgl. Holz/ Da-Cruz 2007, S. 21). Alternde Belegschaften werden eine der ersten spürbaren Folgen des demografischen Wandels sein. Unternehmen werden daher nicht umhinkommen, ihre Personalpolitik und ihr Arbeitsumfeld darauf einzustellen.

Müssen Innovatoren jung sein?

In vielen Betrieben scheint jedoch eine jugendzentrierte Sichtweise vorzuherrschen: Jüngere Arbeitnehmer gelten überwiegend als Innovationsträger (vgl. Heyer/ Henkel 1996, S. 29), ihnen werden Eigenschaften wie Kreativität, Lernbereitschaft und -fähigkeit, Flexibilität und körperliche Belastbarkeit zugeschrieben (vgl. Buck/ Kistler/ Mendius 2002, S. 37). Sind dies Hinweise für eine Gefährdung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen durch den demografischen Wandel?

Das Projekt »InnoDemo«

Der Hintergrund dieser Studie und der Befragung ist das Projekt InnoDemo, das vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt wurde. Im Projekt wurde untersucht, welche Zusammenhänge zwischen alternden Belegschaften und betrieblichen Innovationsprozessen bestehen und welchen Herausforderungen sich innovative Unternehmen und deren älter werdende Arbeitnehmer stellen müssen. Es wurde herausgearbeitet, mit welchen Strategien Unternehmen Mit¬arbeiter unterschiedlichen Alters in ihre Innovationsaktivitäten einbeziehen und welche Rahmenbedingungen für den Einsatz älterer Arbeitnehmer förderlich oder hinderlich sind.

Zusammenfassung der Studie

Der erste Teil dieser Broschüre ist dem Thema »demografischer Wandel« und dessen potenziellen Konsequenzen für verschiedene Bereiche gewidmet. Hierzu gehören mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit, auf die Motivation sowie auf die Qualifikation von Belegschaften. Im zweiten Teil zur Innovationsfähigkeit von Unternehmen werden verschiedene Definitionen und Arten von Innovation diskutiert und Fragen des Innovationsmanagements und der Ausgestaltung von Innovationsprozessen in den Blick gerückt. Auch Barrieren und Erfolgsfaktoren spielen hierbei eine Rolle. Das darauffolgende Kapitel unternimmt sodann den Versuch, die beiden Themen Demografie und Innovationsfähigkeit zusammenzubringen, indem es die Rolle des Alters im Innovationsgeschehen darstellt. Auf theoretischer Grundlage werden verschiedene Einflussfelder des Alters definiert und mögliche Effekte auf den Innovationserfolg abgeleitet. Im Rahmen einer groß angelegten Befragung wurden der Stand der Sensibilisierung für das Thema demografischer Wandel und verschiedene Ausprägungen des Innovationsmanagements in deutschen Unternehmen erfasst. Unterschiedliche Phasen des Innovationsprozesses wurden nach geforderten Eigenschaften aufgeschlüsselt, um den Zusammenhang von Alter und Innovationsfähigkeit zu untersuchen. Die Abbildung des Innovationsprozesses auf Kompetenzebene stellt eine neue Herangehensweise dar. Den Abschluss bilden Handlungsempfehlungen, die mit konkreten Praxisbeispielen angereichert sind sowie ein vorläufiges Fazit zum Stand des Themas »demografischer Wandel und Innovationsfähigkeit«.

Literatur

  • Stern, T., Jaberg, H.: Erfolgreiches Innovationsmanagement – Erfolgsfaktoren – Grundmuster – Fallbeispiele. Wiesbaden: Verlag Dr. Th. Gabler, 2005.
  • Schat, H., Jäger, A.: Einfluss demografischer Entwicklungen in Betrieben auf deren Innovationsfähigkeit. Fraunhofer ISI Discussion Papers Innovation Systems and Policy Analysis, No. 23, Zugriff am 15.07.2011 unter: http://publica.fraunhofer.de
  • Holz, M., Da-Cruz, P.: Neue Herausforderungen im Zusammenhang mit alternden Belegschaften. In: Holz, M., Da-Cruz, P. (Hrsg.): Demografischer Wandel in Unternehmen. Herausforderungen für strategische Personalplanung. Wiesbaden: Verlag Dr. Th. Gabler, 2007, S. 13-22.
  • Heyer, K., Henkel, H.: Älter werden im Betrieb. Risiko und Chance, Reihe Personal und Organisationsentwicklung – Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW). Eschborn, 1996.
  • Buck, H., Kistler, E., Mendius, H. G.: Demografischer Wandel in der Arbeitswelt. Chancen für eine innovative Arbeitsgestaltung. Stuttgart, 2002.

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Kontakt

Bernd Dworschak, M.A.Bernd Dworschak, M.A.
Fraunhofer IAO
bernd.dworschak@iao.fraunhofer.de